Wirtschaftliche Bedeutung des Agrarsektors

Hohe wirtschaftliche Leistung der Landwirtschaft

Die Land-, Forstwirtschaft und Fischerei ist als Teil der Volkswirtschaft in Deutschland nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsbereich. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung macht heute (2005) zwar nur 1,0 Prozent und an den Erwerbstätigen rund 2,2 Prozent aus, doch ist die volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft wesentlich größer.
Die deutsche Land-, Forstwirtschaft und Fischerei erzielte 2005 einen Produktionswert von 45,5 Milliarden Euro. Das ist erheblich mehr als der Umsatz des gesamten deutschen Textil- und Bekleidungsgewerbes mit 23,1 Milliarden Euro, des Papiergewerbes mit 30,5 Milliarden Euro oder der Herstellung von Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen mit 13,5 Milliarden Euro.

Einkäufe der Landwirtschaft stützen die übrige Wirtschaft

Die Landwirtschaft ist ein guter Kunde: Landwirte fragen viele Betriebsmittel, Investitionsgüter und Dienstleistungen nach. Es sind vor allem kleinere und mittlere Betriebe aus Handel, Handwerk und Gewerbe, die wirtschaftlich stark mit der Landwirtschaft verbunden sind. Viele Höfe nutzen darüber hinaus eine breite Palette von Dienstleistungen. Diese reichen von der Beratung in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und produktionstechnischen Fragen, über Wartungsarbeiten bis hin zur Tiergesundheit und Qualitätsüberwachung der Produktion. Damit sind Bauern wichtige Nachfrager im gesamten industriell-gewerblichen sowie Dienstleistungsbereich und sichern dort Tausende von Arbeitsplätzen. Die produktionsbedingten Ausgaben der deutschen Land-, Forstwirtschaft und Fischerei betrugen im Jahr 2005 32,0 Milliarden Euro, wovon 6,4 Milliarden Euro auf Investitionen in Bauten und Maschinen entfielen. Zu den betriebsbedingten Aus­gaben kommen die Ausgaben der Landwirte und ihrer Familien im privaten ­Bereich, die allein in den im Haupt- oder Neben­erwerb geführten Betrieben etwa 24 Milliarden Euro pro Jahr ausmachen.

Landmaschinen-Hersteller, -Händler und Handwerk ­machen einen Jahresumsatz von fast 10 Milliarden Euro

Eine Branche, die von der wirtschaftlichen Situation und Entwicklung in der Landwirtschaft abhängt, ist die Landtechnik-Branche. 2005 zählten die 204 Betriebe der deutschen Landtechnik-Industrie rund 25.000 Beschäftigte. Auch dank eines kräftigen Wachstums des Inlands­absatzes stieg der Gesamt­umsatz der Landtechnikhersteller 2005 auf 4,7 Milliarden Euro. Für 2006 wird mit einem Umsatz von knapp 5,0 Milliarden Euro gerechnet. Die Exportquote der deutschen Landtechnik-Industrie liegt bei 70 Prozent. Europa­weit erzielt die Landtechnik-Industrie 2006 einem Branchenumsatz von 20,4 ­Milliarden Euro. – Im Landtechnik-Handwerk und -Handel waren Umsatz und Beschäftigtenzahl in den letzten Jahren deutlich rückläufig. Die knapp 5.000 in den Handwerksrollen eingetragenen Landmaschinen-Fachbetriebe machten mit ihren 35.000 Mitarbeitern 2005 einen Umsatz von knapp 5 Milliarden Euro. Wie in der Landtechnik-Industrie ist die Umsatzentwicklung in 2005 und 2006 auf Grund wachsender Nachfrage der Land­wirte positiv. Zusammen ­machen Landtechnik-Hersteller, -Handel und -Handwerk derzeit einen Jahresumsatz von fast ­10 Milliarden Euro.
Landwirtschaftliche Unternehmen kaufen aber nicht nur Landtechnik ein, sondern bringen moderne Landtechnik über Lohnunternehmen und Maschinen­ringe zum Einsatz. 3.300 Lohn­unter­nehmer mit 12.500 fest angestellten Mitarbeitern und 15.200 saisonalen Aushilfen ­erzielen einen jährlichen Dienstleistungsumsatz von etwa 2 Milliarden Euro. Die 260 von Landwirten ge­gründeten Maschinenringe erwirtschafteten 2005 mit ihren 2.200 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von knapp 0,8 Milliarden Euro.

Hohe Bedeutung der Landwirtschaft für die Bevölkerung

Die hoch ent­wickelte Landwirtschaft in ­Deutsch­land sichert nicht nur die Nahrungsmitteler­zeugung. Zudem ­erbringt sie Leistungen, die nicht in die volkswirtschaftlichen Berechnungen eingehen. Durch die Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft sowie der Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen leistet die Landwirtschaft einen hohen Beitrag zur Lebens­­­qualität und zur Attraktivität ländlicher Räume. Zunehmend werden die ökologischen und landespflegerischen Leistungen der Landwirtschaft anerkannt. Nach einer CMA-Studie aus 2006 geben drei Viertel der Verbraucher an, einen positiven oder sehr positiven Eindruck von der Landwirtschaft zu haben. Im Vergleich zu 2005 bedeutet dies eine Steigerung von fast 6 Prozentpunkten. Die wichtigsten Kriterien waren der regionale Bezug, ein hohes Vertrauen in die Landwirtschaft und die gute Qualität der Erzeugnisse. Aussagen wie „Landwirte gehen mit dem technischen Fortschritt“, „Landwirte haben eine qualifizierte Ausbildung“ und „Landwirte sind zukunftsorientiert“ finden eine hohe Zustimmung.
Im Vergleich zu ihren Berufs­kollegen in anderen EU-Ländern genießen die deutschen Bauern den höchsten Vertrauensvorschuss bei den deutschen Verbrauchern. Mehr als zwei Drittel der befragten Verbraucher (71 Prozent) haben zu den deutschen Landwirten ein höheres oder wesentlich höheres Vertrauen als zu Erzeugern in anderen europäischen Ländern.

Landwirtschaft und ländliche ­Räume sind untrennbar miteinander verbunden

Die Landwirtschaft prägt die Tradition und Kultur der ländlichen Räume und schafft damit Stabilität und Werte­bindung. Zwei Drittel der bundes­deutschen Bevölkerung (56 Millionen Menschen) leben nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums in ländlichen Räumen und erbringen 57 Prozent der Wirtschaftsleistung in Deutschland. Wie bedeutsam der ländliche Raum als Wirtschaftsstandort ist, zeigen die 23 Millionen Arbeits­plätze und viele erfolgreiche Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Allerdings stehen einige ländliche Gebiete angesichts der demo­grafischen Entwicklung und der Abwanderung vor allem junger Menschen vor der schwierigen Aufgabe, eine sich selbst tragende wirtschaftliche Entwicklung zu organisieren und eine ausreichende Infra­struktur aufrecht zu erhalten.

Feld und Wald sind auch wertvoll für Freizeit und Tourismus

Die Land- und Forstwirtschaft erhält und pflegt 29,6 Millionen Hektar Acker, Wiesen und Wald. Das sind 83 Prozent der Fläche Deutschlands. Sie sichert die natürlichen Lebensgrund­lagen, erhält eine vielfältige Landschaft als Lebens-, Freizeit- und Erholungsraum und stärkt die ländlichen Gebiete als funktionsfähige Siedlungs- und Wirtschaftsräume.
Auf der Skala der Erholungs­aktivitäten der Bundesbürger rangieren die landschaftsbezogenen Freizeit­aktivitäten vorn, wie Spazierengehen, Spielen im Freien, Lagern, Wandern und Radfahren.

Urlaub auf dem ­Bauernhof erfreut sich wachsender Beliebtheit

Tourismus-Forscher haben eine wachsende Tendenz zu naturnahen Urlaubsformen festgestellt. Das hautnahe Erleben der Natur, z.B. bei deutschen Bauern in der Umgebung von Nationalparken, Bio­s­phärenreservaten oder Naturparken und überall in ländlichen Urlaubsgebieten, erfreut sich weiter wachsender Beliebtheit. Die Gäste wollen sich in eine ökologisch intakte, gleich­zeitig aber komfortable und quali­tativ hochwertige Urlaubsatmos­phäre begeben.
Wurde Urlaub auf dem Bauernhof früher eher wegen seines günstigen Preises gewählt, so sind heute zunehmend auch andere Kriterien ausschlaggebend wie Ruhe, Naturnähe, Erlebenswelt für Kinder, persönliche Atmosphäre und das Kennenlernen ländlicher Tradition. Das gestiegene Qualitätsniveau der Urlaubsangebote ist ein weiterer Reisegrund. Rund 25.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland bieten Urlaub auf dem Bauernhof an, davon knapp die Hälfte in Bayern. Im Jahr 2005 wurden 1,64 Millionen Urlaubsreisen auf den Bauernhof angetreten, davon etwa die Hälfte in das Ausland. Dafür gaben die Urlauber 0,9 Milliarden Euro aus. Dabei profitieren die Feriengebiete vom Urlaubsziel Bauernhof, denn die Gäste tätigen auch Ausgaben in der Gastronomie und für das Freizeitvergnügen. Marktexperten führen den Rückgang in 2005 auf den Aufschwung bei Billigreisen zurück.

Jeder 9. Arbeitsplatz steht mit der Landwirtschaft in Verbindung

Die Land- und Forstwirtschaft ist zentrales Bindeglied und Impulsgeber für die vor- und nachgelagerten Bereiche des Agribusiness wie Futtermittel-, Landmaschinen-, Pflanzenschutz- und Düngemittelindustrie sowie Ernährungsindustrie, Holzgewerbe, Gastgewerbe und Nahrungsmittelhandel. In Deutschland waren nach zuletzt für das Jahr 2000 vorliegenden An­gaben 4,3 Millionen Menschen in der Landwirtschaft (einschließlich Forstwirtschaft und Fischerei) sowie in den ihr vor- und nachgelagerten Bereichen, dem so genannten Agribusiness, erwerbstätig. Damit sind 11,1 Prozent ­aller Erwerbstätigen (jeder neunte Arbeits­platz) direkt oder indirekt damit beschäftigt, Menschen mit Essen und Trinken zu versorgen bzw. pflanzliche Rohstoffe für Nicht-Nahrungsmittel­zwecke zu erzeugen.

Landwirtschaft ist wichtiger Teil der Wertschöpfungskette

Der Erwerbstätigenanteil der Landwirtschaft am Agri­business beträgt ­22 Prozent. Das heißt: ­Einem landwirtschaftlichen Arbeits­platz stehen drei bis vier weitere Arbeitsplätze in den anderen Bereichen des Agribusiness gegenüber. Das gesamte Agribusiness erbrachte nach zuletzt für das Jahr 2000 vorliegenden Daten zusammen 553 Milliarden Euro oder gut 15 Prozent des in der deutschen Wirtschaft erzielten Produktions­wertes. ­Ge­messen an der volkswirtschaftlichen Brutto­wertschöpfung beträgt der Anteil des Agribusiness 6,8 Prozent. Die Stärke und Stabilität der deutschen Volkswirtschaft besteht keineswegs nur in einer exportorientierten Industrie, sondern nach wie vor auch in der binnenmarktorientierten Wirtschaft, dem Mittelstand, dem Handwerk und der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei.

Landwirtschaft stellt nach wie ­vor ein beachtliches Beschäft­igungs­potential

In Deutschland übten im Jahr 2005 850.000 Personen oder 2,2 Prozent aller Erwerbstätigen ihre überwiegende Erwerbstätigkeit in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei aus. 48 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft sind als eigenständige Unternehmer tätig. Ihr Anteil an den Selbständigen in Deutschland beläuft sich auf rund 9 Prozent. Dies unterstreicht die mittelstands- und beschäftigungspolitische Bedeutung der Landwirtschaft.

Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft liegt über dem Durchschnitt

Nach Angaben des Instituts für Arbeits­markt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg brachten es die Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei im Jahr 2005 auf ein Arbeitsvolumen von 1,508 Milliarden Stunden. Gemessen am Arbeitsvolumen aller in Deutschland erwerbstätigen Personen sind dies 2,7 Prozent. Wegen der weit überdurchschnittlichen Arbeitszeit eines Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei liegt dieser Prozentanteil deutlich über dem entsprechenden Erwerbstätigenanteil (2005: 2,2 Prozent).
Im Vergleich der Jahresarbeitsstunden fällt das Pensum der Selbstständigen in der Land- und Forstwirtschaft mit 2.139 Stunden hoch aus (2005). Es liegt deutlich über dem Durchschnitt aller Erwerbstätigen (1.437 Stunden pro Jahr).

Arbeitsproduktivität der Landwirtschaft mit relativ hoher Steigerung

Gemessen an der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen hat der Agrarsektor in Deutschland seine Produktivität in den letzten 10 Jahren um 19 Prozent gesteigert. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft stieg die Produktivität um 17 Prozent. Die überdurchschnittliche Leistungssteigerung der Landwirtschaft wurde vor allem möglich durch verbesserte Produktionsmethoden, aber auch durch leistungsstärkere Landmaschinen, bessere Pflanzenschutzmittel und neue Getreidesorten. Der Einsatz dieser kapital- und wissensintensiven Produktionsmittel ermöglichte einen rasanten Strukturwandel.

Quelle: » DBV-Situationsbericht